Lotsen an Bord – lokale Geleitsmänner eines Schiffes

Hier geht's lang! Sicheres Geleit in unbekannten Gewässern

Lotsenboot

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Lotsen sind Seemänner, die als lokale “Geleitsmänner” an Bord eines Schiffes kommen und dem Kapitän auf der Kommandobrücke helfen, das Schiff sicher zu navigieren. Fahrrinnen, Felsen, Untiefen oder andere Gefahren im Hafenbecken, in einem Kanal, Fluss oder Fjord kennen sie wie ihre Westentasche. Je nach Einsatzgebiet gibt es Hafen-, Kanal-, Fluss- oder Seelotsen. Das Kommando und die Verantwortlichkeit über das Schiff bleiben aber beim Kapitän.

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Im 16. Jahrhundert gründeten Hamburger Kaufleute den ersten “Pilotagedienst”, weil sie gewährleisten wollten, dass große Handelsschiffe mit ihren Waren sicher den Hamburger Hafen erreichten. Auf Veranlassung der Hamburger Admiralität wurden 1656 alle Schiffsführer verpflichtet, einen “erfahrenen Piloten” an Bord zu lassen.

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In nahezu allen Häfen der Welt und zahlreichen Küstengewässern gilt Lotsenpflicht, wie z.B. im New Yorker Hafen, den Fjorden Norwegens, im Amazonas und Nord-OstseeKanal oder in der Deutschen Bucht.

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Wenn ein Schiff in den Hamburger Hafen einlaufen möchte, gehen gleich drei verschiedene Lotsen an Bord. Der Seelotse begleitet das Schiff von der Deutschen Bucht bis nach Cuxhaven. Dort löst ihn der Elblotse ab, der bis knapp vor Hamburg auf der Brücke bleibt. Kurz vor der Hafeneinfahrt übernimmt dann der Hafenlotse das Geleit.

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Lotsen werden mit kleinen Booten mit der internationalen Aufschrift “Pilot” oder vereinzelt auch mit Hubschraubern von einem Schiff zum anderen bzw. von der Lotsenstation zum Schiff gebracht. Viele Kreuzfahrer beobachten diesen  sehenswerten Ein- und Ausstieg am fahrenden Schiff mit großem Interesse.

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Der Panama-Kanal hat eine Besonderheit in Bezug auf Lotsendienste. Hier übernimmt der Lotse tatsächlich die Aufgaben und die Verantwortung des Kapitäns, sobald er an Bord kommt. In allen anderen Gewässern dieser Welt bleibt der Kapitän der einzig Verantwortliche über sein Schiff.

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In Deutschland sind die freiberuflich tätigen Lotsen in neun Lotsenbrüderschaften organisiert. Die Bundeslotsenkammer (BLK) ist die vorgeschriebene Interessenvertretung aller Lotsenbrüderschaften.

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Der Lotsenbetriebsverein e.V. hat die öffentliche Aufgabe, die Infrastruktur und das Personal für den ständigen Bereitschaftsdienst von Losten zu jeder Tageszeit und an allen Tagen des Jahres sicher zu stellen.

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Wer Lotse werden möchte, muss zuvor als Kapitän zur See gefahren sein. Der Beruf des Seelotsen ist ein Sekundärberuf, d.h. man muss zunächst im Primärberuf ein Reifeziel erreicht haben wie das Kapitänspatent mit entsprechender Fahrzeit. Erst dann kann man sich als Seelotsenanwärter (Aspirant) bewerben.

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“Der Lotse geht von Bord” ist eine gebräuchliche Metapher, wenn ein Politiker sein Amt verlässt. Nach getanem Dienst für eine bestimmte Zeit übernimmt eine andere Person seine Aufgaben und Verantwortung. In der Seefahrt dagegen bleibt das Kommando immer bei einer Person: dem Kapitän.

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Ab und zu passiert es, dass der Lotse aufgrund von schlechtem Wetter nicht mehr von Bord gehen kann. Dann ist die Reederei verpflichtet, den Lotsen bis zum nächsten Ziel mitzunehmen, damit er von dort seinen Heimweg antreten kann. So hat der ein oder andere Elbe- oder Weserlotse schon
eine Minicruise bis Island oder Kanada unternommen.

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