Kai Krämer, Leiter Orientreisen

Seelenverwandtschaft zwischen Rhein und Nil

Wenn es nach Kai Krämer – Leiter Orientreisen – ginge, könnte Köln auch am Nil liegen und Kairo am Rhein. Was es mit der besonderen Verbindung zwischen Rheinländern und Ägyptern auf sich hat, erklärt er im Interview. Er muss es wissen, schließlich kennt er Land und Leute seit über 30 Jahren.

Kai, deine Anfänge bei Phoenix liegen bereits über 30 Jahre zurück. Wie hat dich das Schicksal nach Bonn verschlagen?

Ich bin Anfang der 90er durch Zufall zu Phoenix gelangt, weil ich ein Studium machen wollte, für das ich ein Praktikum im kaufmännischen Bereich brauchte. Da ich ein reiselustiger Backpacker war, wollte ich es unbedingt in einem Touristik-Unternehmen absolvieren und wurde von Johannes Zurnieden eingeladen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er am Ende des Gesprächs zu mir sagte, dass ich doch bitte – wenn ich dann für Phoenix arbeiten und Kundenkontakt haben würde – versuchen solle, meinen kölschen Dialekt ein wenig zu reduzieren und etwas mehr Hochdeutsch zu sprechen. Das ist mir zwar bis heute nicht gelungen, aber bei Phoenix bin ich immer noch (lacht).

Heute verantwortest du den Bereich Orientreisen. Wie kam es dazu?

Phoenix hatte bereits Nilkreuzfahrten im Programm, die immer bedeutender wurden. Auch zu Israel und Jordanien gab es Reiseangebote. Da der Bereich Orientreisen gerade ausgebaut wurde, war ich mit dabei. 1993 reiste ich dann für Phoenix nach Ägypten und stand das erste Mal in meinem Leben vor den Pyramiden. Ich würde behaupten, dass in diesem Moment meine Faszination für das Land, seine Geschichte und Kultur begann. Außerdem spielten die Begegnungen mit den Menschen vor Ort von Anfang an eine große Rolle für mich.

Was ist passiert?

Ich habe mich auf Anhieb mit den Ägyptern verstanden! Es hat gleich gepasst und es war leicht für mich, mit dieser Kultur umzugehen, die ja komplett anders ist. Ich konnte sofort in die Rolle des Moderierens zwischen westlicher und ägyptischer Mentalität schlüpfen.

Was denkst du: Warum passt ein kölscher Jung so gut nach Ägypten?

Wir sagen in Köln “Et kütt wie et kütt” (Es kommt, wie es kommt). Diese Lebenseinstellung kommt dem arabischen “Inshallah” (So Gott will) im Prinzip sehr nah, weil beide Grundsätze das Gleiche meinen. Ich denke, dass es aus dem Grund eventuell leichter eine “Seelenverwandtschaft” zwischen einem Rheinländer
und einem Ägypter geben kann. Außerdem sind die Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Menschlichkeit der Ägypter sehr groß. Das passt natürlich wunderbar zu Phoenix und dem Rheinland.

„Die Nilkreuzfahrt ist die Mutter aller Kreuzfahrten: Die Romantik der ersten Reisen im 19. Jahrhundert ist immer noch zu spüren“

Du hast die große touristische Entwicklung im Land hautnah miterlebt. Wie war das?

Damals war Ägypten noch ein völlig anderes Land. Das kann man nicht mit heute vergleichen. Der Tourismus ist dort in den vergangenen 30 Jahren massiv gewachsen. Nilkreuzfahrten waren zwar bereits im Angebot, aber es kamen schnell immer mehr Anbieter auf den Markt. Im Laufe der 90er Jahre verlief die Entwicklung dann rasant – auch mit den ersten Hotelanlagen am Roten Meer. Ich bin dankbar und auch stolz darauf, dass ich die Geschichte einer solchen Entwicklung miterleben durfte. Das ist eine einmalige Sache!

Phoenix und Ägypten stehen in einer besonderen Beziehung zueinander. Woher kommt sie?

Phoenix hat sein Orientprogramm früh mit Nilkreuzfahrten, Kulturprogramm und Badeurlaub am Roten Meer gebündelt. Wir arbeiten mit großartigen Partnern vor Ort zusammen, die wir seit Jahrzehnten kennen und schätzen. Viele Geschäfts- und Hotelgründungen haben wir begleitet und unterstützt. Für Phoenix und auch für mich persönlich sind in dieser Zeit wichtige, enge und lange Partnerschaften und eine loyale Zusammenarbeit entstanden, die bis heute halten. Unsere Partner gehören zur PhoenixFamilie. Außerdem haben Johannes Zurnieden und Benjamin Krumpen auch in schwierigen Zeiten einen langen Atem bewiesen. Die Geschäftsführung stand und steht uneingeschränkt hinter dem Orientprogramm – trotz vieler Höhen und Tiefen. Das zahlt sich am Ende aus.

Wie gut kennst du den Nil?

Ich würde sagen, dass ich jeden Meter auf dem Fluss und jeden Tempel am Ufer kenne, obwohl ich noch nie eine komplette Reise von Luxor nach Assuan gefahren bin, sondern in der Regel nur für 2-3 Tage auf dem Schiff bin. Die Faszination erlebe ich aber jedes Mal – seit über 30 Jahren!

Was macht diese Faszination aus?

Die Nilkreuzfahrt ist die Mutter aller Kreuzfahrten: Die Romantik der ersten Reisen im 19. Jahrhundert ist immer noch zu spüren. Wie sich der Fluss heute mit seinen beeindruckenden kulturellen Sehenswürdigkeiten darstellt – das ist ein absolutes Muss für jeden Kreuzfahrer. Man kann über eine Nilkreuzfahrt viel schreiben und erzählen, aber man muss sie selbst erlebt haben.

Du bist in den mehr als 30 Jahren nicht nur dem Nil und Ägypten treu geblieben, sondern auch Phoenix. Woran liegt das?

Das liegt an den tollen Menschen und an der besonderen Arbeitsatmosphäre. Bei uns herrscht eine große Akzeptanz und die Leute werden so genommen, wie sie sind. Das gilt auch für unsere Partner. Die Begegnungen und Kontakte mit den Kollegen in Bonn und in den verschiedenen Ländern sind eine große Bereicherung für mich. Zwischen Rhein und Nil ist mein Platz, Inshallah!

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