Kreuzfahrtdirektor Dr. Steffen Spiegel

Kreuzfahrtdirektor Prof. Dr. Steffen Spiegel im Interview

Es klingt wie der Anfang einer Scherzfrage: Was haben ein Hörsaal und ein Kreuzfahrtschiff gemeinsam? Die Antwort: Prof. Dr. Steffen Spiegel.
Die Geschichte dazu erzählt der seefahrende Professor auf dem Wasser – wo auch sonst!

Steffen, Hörsaal und Schiff, Professor und Kreuzfahrtdirektor – wie bist du auf diese berufliche Kombination gekommen

STEFFEN SPIEGEL: Zuerst einmal ist es eine Kombination, die ich extrem liebe. Für mich war schon früh klar, dass ich im Tourismus arbeiten möchte. Ich habe eine Ausbildung im Reisebüro gemacht, anschließend als Hotelreiseleiter auf Madeira gearbeitet und das Studium Tourismusmanagement drangehängt. 2003 bin ich durch Zufall auf einem Kreuzfahrtschiff gelandet. Für die Semesterferien suchte ich nach einem Praktikumsplatz und auf dem Schiff war genau für diesen Zeitraum einer frei. Damit fing alles an.

Aus dem Praktikum wurde mehr Meer?

Genau! Das Schiff fuhr nämlich im Winter direkt weiter auf Weltreise und es hieß: ‘Willst du nicht mit? Wir brauchen noch einen.’ Da sagt man als Student natürlich nicht nein. Ich habe mein Studium unterbrochen und bin zwei Jahre zur See gefahren. Seitdem bin ich den Schiffen treu. Mein Praktikum dauert quasi bis heute an, nur in anderer Funktion. Und deine Professur? Am Ende des Studiums kam mein Studiengangsleiter auf mich zu und meinte ‘Ich brauche noch jemanden, der den Studierenden etwas über spezielle Reisearten erzählt. Du kennst dich doch mit Kreuzfahrten aus.’ So wurde ich Lehrbeauftragter, was mir auch super viel Spaß macht. Es folgte die Promotion und meine Berufung zum Professor für Tourismusmanagement mit einer halben Stelle und die andere Hälfte bin ich Phoenix-Kreuzfahrtdirektor auf Hochsee und Fluss. Das ist absolut perfekt für mich!

„Zwei Herzen in meiner Brust.“

Es schlagen also zwei Herzen in deiner Brust. Wie sieht dein Seefahrer-Herz aus?

Ich liebe die Schiffsatmosphäre und alles, was dazugehört: Die Seetage mit Blick aufs Meer und auf den Horizont ebenso wie die Landgänge, bei denen ich die Welt entdecke. Vor allem schätze ich die Teamarbeit an Bord. Ich genieße das internationale Flair. Unsere Gäste sind ja deutschsprachig. Aber die Besatzung kommt aus aller Herren Länder. Auf dem Schiff stört es niemanden, aus welchem Land du kommst, welche Nationalität, Kultur oder Religion du hast. Das ist vollkommen egal. Man arbeitet ganz hervorragend zusammen. Die einzige Frage lautet: Kann einer was oder kann er nichts? Außerdem ist Wasser mein Element. Das hat mir einmal eine Astrologin gesagt, die an Bord war. Und es stimmt. Auch im Urlaub bin ich am liebsten auf unserem kleinen Boot unterwegs. Wenn ich wandere oder Radtouren unternehme, schau ich immer, an welchem Flusslauf oder an welchem See ich das machen kann. Ich brauche das Element Wasser offenbar.

Nah am Wasser zu sein, ist dir wichtig. Wie gehst du noch durchs Leben?

Ich bin sehr neugierig und liebe die Abwechslung. Ich will nicht stehen bleiben und habe kein Problem damit, wenn Pläne sich ändern. Dann mache ich das Beste daraus und schaue, was sich Spannendes ergibt. Vor allem auf Kreuzfahrten ist diese Einstellung Gold wert, weil ja keine Planung in Stein gemeißelt ist und wir oft auf äußere Umstände wie Wetter, Seegang oder Wasserstand reagieren müssen. Da schließt sich für mich auch wieder der Kreis zu meinem Element Wasser: Es ist immer im Fluss.

„Die Traumschiff-Drehs an Bord von MS AMADEA sind definitiv Highlights für mich.“

Welche Highlights hast du an Bord erlebt, an die du dich besonders gerne erinnerst?

Da gibt es sehr viele, aber die Traumschiff-Drehs an Bord von MS AMADEA sind definitiv Highlights für mich. Wenn ich bei einer Produktion mit an Bord bin, habe ich als Kreuzfahrtdirektor eng mit dem TV-Team zu tun. Es macht großen Spaß, mit den hochprofessionellen Filmkollegen und SchauspielernBarbara Wussow und Steffen Spiegel (privat) zu arbeiten. Die Drehtage sind für das ganze Schiff aufregend und es ist spannend zu erleben, was für ein riesiger Aufwand hinter 90 Minuten Film steckt. Harald Schmidt spielte früher meine Rolle als Kreuzfahrtdirektor. Wenn wir uns auf dem Gang oder an Deck begegnet sind, begrüßten wir uns gegenseitig mit ‘Guten Morgen, Herr Kreuzfahrtdirektor’. Das war lustig. Barbara Wussow ist mir sehr ans Herz gewachsen und wir sind befreundet. Wann immer es passt, treffen wir uns auf einen Kaffee in Wien.

 

Du bist für Phoenix auf allen Schiffen im Einsatz und fährst mit MS DEUTSCHLAND ihre letzte Reise unter Phoenix-Flagge. Was empfindest du dabei?

Ich habe MS DEUTSCHLAND in den letzten Jahren sehr viel begleitet und war immer unglaublich gerne an Bord. Es ist ein außergewöhnliches Schiff und jetzt geht eine Ära zu Ende. Alles hat seine Zeit und die Zeit dieses Schiffes in der Phoenix-Flotte ist nun leider vorbei. Ich werde sicherlich einige Tränchen verdrücken, wenn wir im September das Licht ausmachen und das Schiff abgeben. Aber so ist es im Leben: Ein Kapitel geht zu Ende und ein neues beginnt. Alles fließt, und das ist gut so!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen